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Das Institut für Journalistik trauert um Ulrich Pätzold

Im Alter von 82 Jahren ist Prof. Dr. Ulrich Pätzold gestorben, der das Institut in seinen 30 Jahren als Hochschullehrer, Direktor und Dekan der Fakultät Kulturwissenschaften geprägt hat. Er lehrte bis 2008 in Dortmund und lebte als Emeritus in Berlin, wo er am 4. Juni dieses Jahres überraschend starb.

Als Ulrich Pätzold 1978 zum ordentlichen Professor berufen wurde, steckte die Dortmunder Journalistik noch in den Kinderschuhen: Erst seit 1976 wurde der Modellstudiengang aufgebaut, den Ulrich Pätzold fortan mitgestaltete und der 1981 in die Universität Dortmund integriert wurde. 1983 veröffentlichte er dann mit Peter Lange das Standardwerk „Medienatlas Nordrhein-Westfalen: Grundlagen der Kommunikation“ sowie in den folgenden Jahren zahlreiche weitere wissenschaftliche und journalistische Beiträge, für Zeitungen, Zeitschriften, Radio und Fernsehen. 

1984 gründete Ulrich Pätzold gemeinsam mit seinem ehemaligen Studenten Horst Röper das FORMATT-Institut, das mit der Erforschung von Medienstrukturen und -entwicklungen weithin bekannt wurde. Horst Röper: „In unserer langen Zusammenarbeit war Uli vor allem enger Freund und im Umgang mit anderen ein Vorbild: neugierig und ohne Vorbehalte ging er auf jede und jeden zu, suchte und fand in der Regel schnell eine gemeinsame Ebene, interessierte sich für seine Gesprächspartner und wünschte jedem das Beste. Er war ein wahrer Philanthrop. Er konnte sich und andere für offene Fragen begeistern, kam basierend auf umfassender Bildung rasch auf Lösungen und konnte diese ungewöhnlich schnell und klar zusammenfassen. Mit ihm zu arbeiten war eine Freude und Gewinn. Danach mit Pfeife und Wein oder Bier zu entspannen, war ein Vergnügen, denn Uli hatte auch eine Menge Humor. Alle, die ihn kannten, werden ihn sehr vermissen.“

In der Lehre hat sich Ulrich Pätzold insbesondere auf Vermittlungsfragen des Journalismus und auf ethische Anforderungen konzentriert. Am Institut für Journalistik prägte er später insbesondere die praktische Ausbildung. Ab 1997 baute er an der Universität Dortmund die Campus-Rundfunk-Projekte sowie die Lehrredaktionen Radio und Fernsehen auf. Und auch in der Lehre wirkte Ulrich Pätzold über die Grenzen Dortmunds hinaus: So war er im Nebenamt von 1989 bis 2003 Direktor des Deutschen Instituts für publizistische Bildungsarbeit mit dem Sitz Journalisten-Zentrum Haus Busch in Hagen, wo er sich insbesondere auf die nicht hochschul-gebundene Journalistenausbildung konzentrierte. 

Von 2004 bis 2007 war er am Aufbau der unabhängigen Nachrichtenagentur „AKNews“ im irakisch-kurdischen Erbil beteiligt. Im Anschluss konzipierte er im Auftrag der Landesanstalt für Medien NRW einen landesweiten Ausbildungssender – den „TV-Lernsender.NRW“, der inzwischen unter dem Namen „NRWision“ am Institut verankert ist. Im August 2008 schließlich wurde Ulrich Pätzold nach dreißig Jahren in der Dortmunder Journalistik emeritiert. Rückblickend auf den Modellstudiengang schrieb er auf seiner Website: „Das Modell wurde zu einer Erfolgsgeschichte, und diese Erfolgsgeschichte begleitete meine dreißigjährige Tätigkeit an der Dortmunder Universität. In der langen Zeit waren Dortmund und Nordrhein-Westfalen meine geistige, wissenschaftliche und politische Heimat.“ 

Dennoch zog es Ulrich Pätzold nach der Emeritierung zurück nach Berlin, in seine Lieblingsstadt und zweite Heimat, wo er vor seiner Dortmunder Zeit auch bereits als Assistenzprofessor an der FU Berlin tätig gewesen war. Er engagierte sich weiter für die Ausbildung im Journalismus, insbesondere für die Partizipation von Menschen mit Migrationsgeschichte: Im Jahr 2009 gehörte Ulrich Pätzold zu den Gründungsmitgliedern der „Neuen Deutschen Medienmacher“ und entwickelte einen Ausbildungskurs am Berliner Bildungswerk. „Wir haben einen immensen Nachholbedarf in der journalistischen Kultur unseres Landes, um den potenziellen Reichtum der Vielfalt zu erschließen“, schrieb er zu seiner Motivation. 

Nach dem Journalismus schließlich kam die Literatur: vier Bücher, darunter das 2022 veröffentlichte „Frei zu denken und zu schreiben – Journalistik und Journalismus in 50 Jahren Leben“, in dem er einen Teil seiner zahlreichen Veröffentlichungen zusammenfasste, und der in der Coronazeit geschriebene Roman „Sonnenfinsternis: Im Hinterhof der Politik“. 

Für neue Impulse war Ulrich Pätzold stets offen; das belegt auch seine späte Leidenschaft: die Synapsenbildung im Gehirn. Noch im hohen Alter wandte er sich dem Fach Neurobiologie an der FU Berlin zu – diesmal in der Rolle des Studenten. „Ich lerne, in einer neuen Dimension der Interdisziplinarität zu denken“, schrieb Ulrich Pätzold dazu 2026 in einem Buchvorwort. „Wie spannend die Welt durch ein langes Leben in der Journalistik ist, kann ich nur selber bezeugen.“ Seine Begeisterung für diese neuen Dimensionen war Ulrich Pätzold nicht nur deutlich anzumerken – sie war schlichtweg ansteckend. Zuletzt durften wir ihn im März auf der Jubiläumsfeier der Dortmunder Journalistik als Ehrengast begrüßen. Im Anschluss war es ihm ein Anliegen, allen Gästen noch einen persönlichen Gruß zukommen zu lassen. Darin schrieb er: „Bleibt alle gesund und stärkt die Überzeugung in Euch, mit dem Institut über eine unerschöpfliche Quelle für das Leben zu verfügen.“ 

Lieber Uli, wir hätten Dir noch viele weitere Lebensjahre gewünscht. Die unerschöpfliche Quelle, die Du im Institut gesehen hast, werden wir in Deinem Sinne und Gedenken sorgsam hüten. 

Christina Elmer (Geschäftsführende Direktorin, Institut für Journalistik)

Besonderer Dank gilt Horst Röper, dessen Erinnerungen und Hinweise diesen Nachruf sehr bereichert haben.

Ulrich Pätzold bei einem Ausflug des IJ‑Alumni‑Vereins EX e.V. in Hamburg im Herbst 2025. © Stefanie Opitz

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