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Journalistik-Studierende erkunden Zypern auf Recherchereise

Mitte April reisten 14 Journalistik-Studierende nach Zypern, um 20 Jahre nach dem EU-Beitritt des Landes die Auswirkungen des zyprischen Teilungskonflikts und geopolitischer Krisen auf das Land zu erkunden. Während der vom Lehrstuhl für internationalen Journalismus organisierten Exkursion recherchierten sie eigene journalistische Beiträge, die in den kommenden Wochen in verschiedenen Medien erscheinen werden. 

Über acht Tage (13. bis 20. April) hatten 14 Studierende des Instituts für Journalistik die Möglichkeit, Zypern kennenzulernen und unter dem Schwerpunktthema „Traum von Europa? Die geteilte Insel und die Folgen europäischer Politik“ Auswirkungen interner und internationaler Konflikte auf der Mittelmeerinsel zu beobachten. Begleitet wurde die Gruppe von den IJ-Mitarbeitern Dominik Speck und Richard Brandt, zur Vorbereitung der Reise und der Erarbeitung der komplexen historischen und politischen Hintergründe auf Zypern diente ein zweitägiges Vorbereitungsseminar unter Federführung von Monika Lengauer.

20 Jahre nach der EU-Osterweiterung und damit auch dem Beitritt Zyperns im Mai 2004 stand dabei auch die Frage im Fokus, inwiefern die internationale Gemeinschaft ihr Versprechen einlösen konnte, zu einer Befriedung des Konflikts zwischen türkischen und griechischen Zyprer:innen beizutragen. Zwar zählt de jure die gesamte Insel zur EU, de facto kommt das EU-Recht in der international nicht anerkannten Türkischen Republik Nordzypern jedoch nicht zur Geltung.  

In der geteilten Hauptstadt Nikosia standen beidseits der innerzyprischen Grenze Termine mit NGOs, Expert:innen und Medienschaffenden auf dem Programm, zudem erkundete die Gruppe auf einer Stadtführung Spuren sozialer Bewegungen in beiden Teilen der Stadt. Gespräche mit der Deutschen Botschaft in Nikosia und der dortigen Dependance der Friedrich-Ebert-Stiftung lieferten wertvolle Hintergründe.

Seit genau 60 Jahren ist auf Zypern eine UN-Friedensmission stationiert. Der UN-Sonderbeauftragte in Zypern, Colin Stewart, empfing die Dortmunder Studierenden zum Gespräch im UN-Hauptquartier in der von den Vereinten Nationen kontrollierten Pufferzone, die die Insel teilt. Dort liegt auch der seit 1974 verlassene ehemalige Flughafen von Nikosia, der als Symbol für den festgefahrenen Konflikt auf der Insel steht. Drei britische Blauhelmsoldaten führten die Gruppe durch den Geister-Airport.

Folgen europäischer Migrationspolitik in Zypern 

Ein weiterer Schwerpunkt der Reise lag auf dem Thema Flucht und Migration. Die Studierenden konnten die Folgen europäischer Migrationspolitik in Zypern eindrucksvoll erkunden. Besonders einprägsam war der Besuch des Flüchtlingslagers Pournara, wo die Studierenden Einblicke in die Lebensbedingungen und Sorgen der Bewohner:innen erhielten.

Zypern verzeichnete 2023 pro Kopf die meisten Asylanträge unter allen EU-Ländern, in den vergangenen Monaten stieg die Zahl der Flüchtlinge und Migranten, die per Boot aus dem Libanon nach Zypern kommen und vor allem aus Syrien stammen, weiter. Im Zeitraum der Studienreise verkündete der zyprische Präsident Nikos Christodoulidis, dass das Land die Bearbeitung von Asylanträgen von Syrer:innen bis auf Weiteres aussetzen wolle. Diese umstrittene Ankündigung war Thema beim Besuch im Lager Pournara, aber auch bei Gesprächen mit dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und der NGO Cyprus Refugee Council.

In Nikosia stand darüber hinaus auch ein gemeinsamer Workshop mit Journalistik-Studierenden der University of Cyprus auf dem Programm, bei dem es unter anderem um Berufsaussichten im Medienmarkt in beiden Ländern ging, aber auch um Teilung und Wiedervereinigung aus deutscher und zyprischer Perspektive. Die Studienreise wurde in Zusammenarbeit mit der dortigen Dozentin Venetia Papa sowie den beiden Kommunikationswissenschaftlerinnen Dimitra Milioni und Lia T. Spyridou von der Cyprus University of Technology in Limassol organisiert.

Zum Abschluss der Reise erkundete die IJ-Delegation die Hafenstadt Limassol an Zyperns Südküste, ein Zentrum der Finanz- und IT-Industrie wie auch der russischen, ukrainischen und israelischen Gemeinschaften im Land. Dort standen unter anderem ein Besuch der Redaktion des Online-Mediums „Limassol Today“, ein Gespräch mit dem Wirtschaftsblogger Panis Pieri und ein Treffen mit russischstämmigen Aktivist:innen auf dem Programm, die in Zypern Proteste gegen die Politik Wladimir Putins organisieren.

Reise wurde von PROMOS gefördert

Für ihre journalistischen Beiträge recherchierten die Teilnehmenden unter anderem zu Themen wie der Situation internationaler Studierender in Nordzypern, der Rolle von Gewerkschaften im Zypernkonflikt, dem Alltagsleben in der geteilten Hauptstadt oder zu Benachteiligungen, die Kinder aus Ehen zwischen türkischen Zyper:innen und türkischen Staatsbürger:innen erfahren. Dabei organisierten die Studierenden eigenständig Interviews mit Gesprächspartner:innen auch abseits der gemeinsamen Termine und konnten somit wertvolle Einblicke in die Berichterstattung aus dem Ausland gewinnen.

Finanziell unterstützt wurde die Studienreise unter Gesamtleitung von Prof. Dr. Susanne Fengler von PROMOS, dem Programm des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD) zur Steigerung der Mobilität von Studierenden. PROMOS-geförderte Exkursionen der vergangenen Jahre führten IJ-Studierende unter anderem nach Rumänien, Bosnien-Herzegowina und Kroatien sowie Jordanien.

Die Dortmunder Journalistik-Studierenden nach einem Gespräch mit der Journalistin und Friedensaktivistin Sevgül Uludag. Foto: Dominik Speck

Protestschild von Asylbewerbern in Nikosia. Foto: Richard Steisslinger

Der Sonderbeauftragte der UN in Zypern, Colin Stewart, im Gespräch mit der Dortmunder Delegation. Foto: Raphael Balke

Das Flüchtlingslager Pournara. Foto: Richard Steisslinger

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