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Quo vadis Medienentwicklungs­zusammenarbeit?

Nach vier Jahren Forschung zu Medienentwicklungszusammenarbeit neigt sich das am Erich-Brost-Institut ansässige Graduiertenkolleg „MEDAS 21“ als Förderprojekt der VolkswagenStiftung dem Ende zu. Mit einem Abschlusssymposium wurde Bilanz gezogen.

Wie können lokales und Kontext- Wissen bei der internationalen Medienentwicklungszusammenarbeit (MEZ) stärker in den Mittelpunkt rücken? Welche Bedeutung haben postkoloniale und Post-Development Perspektiven für die internationale MEZ? Was können der (Medien-)Entwicklungssektor und die Wissenschaft in Bezug auf innovative und valide Datenerhebungsmethoden voneinander lernen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Abschlusssymposiums des Graduiertenkollegs „MEDAS 21“, das Ende Juni im Erich-Brost-Institut (EBI) stattfand.

Der erste Tag des Symposiums war dem Austausch von Ergebnissen mit den Praxispartner:innen gewidmet, welche die Projekte der Fellows über vier Jahre Projektlaufzeit begleitet haben – von der DW Akademie über Media in Cooperation and Transition (MiCT), Fondation Hirondelle, Catholic Media Council (CAMECO) hin zu PANOS Südasien, EIRENE und Internews. Fellows und Praxispartner hatten Gelegenheit, über die praktische Bedeutung der Forschungsprojekteprojekte zu diskutieren und Möglichkeiten zukünftiger Zusammenarbeit zu erörtern.  

Zukunftsperspektiven für die internationale Medienentwicklung

Am zweiten Tag kamen mehr als 40 Teilnehmende zum öffentlichen Teil der Veranstaltung zusammen, darunter Medienentwicklungspraktiker:innen, Forscher:innen, Studierende und Vertreter:innen aus Förderorganisationen sowie die MEDAS 21-Fellows und Professor:innen des Programms. Zur Begrüßung hielt die Prorektorin der TU Dortmund Prof. Dr. Nele McElvany eine Eröffnungsrede, gefolgt vom Programmleiter der Volkswagen Stiftung Dr. Pierre Schwidlinski und den Leiter:innen des MEDAS 21-Postgraduiertenprogramms Prof. Dr. Susanne Fengler, Prof. Dr. Barbara Thomaß, Prof. Dr. Jens Loenhoff und Programmdirektorin Dr. Ines Drefs.

Das offizielle Programm startete mit Keynotes von Kooperationspartnern aus Kenia und Burkina Faso, mit denen das Graduiertenkolleg im Frühjahr die Workshopreihe „Current Challenges of Media Development in Sub-Saharan Africa“ organisiert hatte. Prof. Dr. Levi Obonyo von der Daystar University in Nairobi thematisierte den Forschungsbedarf im Hinblick auf afrikanische Medien. „Dass die Kommunikationswissenschaft als Disziplin ein neues Feld in Afrika ist, steht außer Frage. Die meisten unserer Universitäten, die das Fach anbieten, haben damit erst in den letzten drei Jahrzehnten begonnen“, erklärte er und führte weiter aus: „Wir müssen ein besseres Verständnis dafür erlangen, wie sich afrikanische Medien ausgestalten, welche Dynamiken ihre Entwicklung beeinflusst. MEDAS 21 hat einen wichtigen Beitrag dazu geleistet.“

Auch Dr. Lassané Yaméogo vom Centre National de la Recherche Scientifique et Technologique-CNRST in Ouagadougou reflektierte in seiner Rede die Herausforderungen von Journalismusforschung in Sub-Sahara Afrika. „Westliche Vorstellungen von Journalismus und Professionalität werden im afrikanischen Kontext oft ohne jegliche Kontextualisierung verwendet. Es bedarf einer Neudefinition der historischen, politischen, wirtschaftlichen, soziokulturellen und rechtlichen Fragen, die von Land zu Land und abhängig von kolonialer Vergangenheit variieren“, merkte er kritisch an.

Neuausrichtung von Methoden und Theorien

Im weiteren Verlauf des Tages beteiligten sich die Teilnehmenden an thematischen Gruppendiskussionen. In der Session „Renewing Methodological Approaches to Media Development Research“ befassten sich die Teilnehmenden mit innovativen methodologischen Ansätzen. So stellten Prof. Dr. Guido Keel, Direktor des Instituts für Angewandte Medienwissenschaft in Winterthur, Prof. Bruce Mutsvairo von der Universität Utrecht (Niederlande) und MEDAS 21-Fellow Mira Keßler innovative und kreative Methoden vor, die in der Forschung zu Medienentwicklung eingesetzt werden.

Anschließend fand ein von Dr. Ines Drefs und Mira Keßler moderierter Expertenaustausch mit Praktiker:innen aus der Medienentwicklungszusammenarbeit im Libanon, in Burkina Faso, Nepal, Uganda und Afghanistan statt. In Kleingruppen befassten sich die Teilnehmenden mit Fragen des gegenseitigen Vertrauens, der Partizipation und der lokalen Eigenverantwortung.

Die Erneuerung theoretischer Ansätze in der Medienentwicklungsforschung war das Leitthema einer Diskussionsrunde, an der Dr. Suzanne Temwa Gondwe Harris (London School of Economics and Political Sciences), Prof. Dr. Viola Milton (University of South Africa), Prof. Dr. Barbara Thomaß (Ruhr-Universität Bochum) und Dr. Anja Wollenberg vom MiCT teilnahmen. „Afrikology“ (Wissensphilosophie basierend auf afrikanischen Kosmogonien), „Developmentality“ (die Ausbeutung der Ideologie der Entwicklung) und dekoloniale Denkansätze waren einige der Konzepte, die von den Diskussionsteilnehmenden aufgeworfen und erörtert wurden. Diese Sitzung moderierten die MEDAS 21-Fellows Johanna Mack und Roja Zaitoonie.

In einer abschließenden Debatte problematisierten Praktiker aus Afghanistan, Uganda und Myanmar die mangelnde Fehlerkultur in der Medienentwicklungszusammenarbeit . „Seine Fehler zu genau zu betrachten, ist ein gutes Lern-Prinzip“, betonte MEDAS 21-Kollegiat Michel Leroy, der die Debatte zusammen mit seinem Kollegen Stefan Wollnik moderierte. „Wir sollten diesen Widerwillen, über das eigene Versagen nachzudenken, überwinden und uns unserer gemeinsamen Verantwortung stellen“, forderte Wollnik.

Das MEDAS 21-Team arbeitet nun an der Fertigstellung eines Positionspapiers zum Thema zur Zukunft der internationalen Medienentwicklung als Resümee des Graduiertenkollegs und der Abschlussveranstaltung. Das Papier wird sich an Medienentwicklungsexpert:innen, Förderer und Entscheidungsträger:innen richten.

 

 

MEDAS 21-Fellows, Praxispartner und weitere Gäste diskutierten im EBI Perspektiven der Medienentwicklungszusammenarbeit.

Die Leiter:innen des MEDAS 21-Postgraduiertenprogramms Prof. Dr. Susanne Fengler (1. Reihe, 3.v.l.), Prof. Dr. Jens Loenhoff (4.v.l.), Prof. Dr. Barbara Thomaß (5.v.l.) und Programmdirektorin Dr. Ines Drefs (6.v.l.) freuten sich über die rege Teilnahme am Symposium. Fotos: Marcus Kreutler

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